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Gedichte in 14 Sprachen:

Eleonoren-Gymnasium Worms feiert mit buntem Programm Zertifizierung als Europaschule

Von Daniel Berkes

WORMS - Eine große europäische Flagge weht vor dem Eingang des Eleonoren-Gymnasiums und zeigt, dass das Elo seit April als Europaschule zertifiziert ist. Unter diesem Motto fand im Rahmen des alljährlichen Schulfestes ein großes abwechslungsreiches Programm in der Aula der Schule statt. Der Auftakt der offiziellen Feier gelang dem Unterstufenchor „mELOdie“ (Leitung: Julia Sturm, Gerhard Fitting), der zwei verschiedene Versionen des Songs „Fly me to the moon“ von Frank Sinatra zum Besten gab. Während des Auftritts hielten die Kinder Europafähnchen in die Höhe.

Elo-Schulleiterin Rita Lodwig begrüßte unter den Gästen insbesondere Adolf Kessel, Landtagsabgeordneter der CDU, und übergab das Wort an die Referentin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Bénédicte Charbonnier. „Als Europaschule steht das Elo für Weltoffenheit“, betonte Charbonnier und fügte erfreut hinzu, dass das Elo zusammen mit dem Rudi-Stephan-Gymnasium ab sofort in einer Reihe von insgesamt 55 Europaschulen in ganz Rheinland-Pfalz stehe. Dr. Jörg Koch, Vorsitzender der Europa-Union Worms, hob die Teilnahme des Gymnasiums am europäischen Wettbewerb hervor, der in diesem Jahr zum 66. Mal stattfindet.

Darüber hinaus führt das Eleonoren-Gymnasium viele europäische Projekte durch, die von den Lehrern Michael Koch, Martina Junkermann sowie der Schülersprecherin Alisia Gahabka vorgestellt wurden. Darunter fallen viele Schüleraustausche, die jedes Jahr angeboten werden, wie etwa nach England, Frankreich und Italien. Zudem besuchen viele Gastschüler aus dem europäischen Ausland das Elo. „Vor Kurzem ist die Klasse 10 d bei einem schulinternen Wissensquiz, das im Stil von ,Wer wird Millionär?' ausgetragen wurde, Europameister geworden“, berichtete Sozialkundelehrer Michael Koch. Darüber hinaus gibt es jedes Jahr in der Jahrgangsstufe 13 eine Fahrt nach Berlin, bei der die Schüler die Möglichkeit haben, bedeutende Institutionen wie den Bundestag zu besuchen.

Musik und selbstgedrehter Film

Schülersprecherin Alisia Gahabka erklärte, wie wichtig Europa vor allem für junge Menschen sei – schließlich profitieren alle durch Rechte wie die Reisefreiheit. „Leider gibt es in letzter Zeit immer häufiger Diskussionen und Stimmen gegen Europa“, sagte Alisia Gahabka. Aus diesem Grund habe die Schule eine Demonstration für Europa organisiert, bei der 100 bis 200 Menschen durch die Wormser Innenstadt liefen.

Zum Abschluss des offiziellen Festakts sang die Klasse 5 a (Leitung: Ulrike Kindervater) den Titel „On était beau“ von Louane auf Französisch. Im zweiten Teil folgte eine Reise durch Europa, die von Michele Iannuzzelli moderiert wurde. Der DS-Kurs 11 von Stefanie Schott sorgte mit kurzen lustigen Szenen, bei der es um eine Klassenfahrt ins Ausland ging, für Lacher im Publikum. Dazu wurden zwischendurch etliche Gedichte von Schülern in Muttersprache in insgesamt 14 unterschiedlichen Sprachen vorgetragen, was die europäische Vielfalt der Schule zum Ausdruck brachte. Während die Klasse 5 a (Leitung: Katharina Schmitt) mit dem bekannten Filmtitel „Vois sur ton chemin“ ein weiteres Lied vortrug, wurden den Zuschauern ein Film zur Bildungsfahrt nach England 2018 sowie selbstgedrehte Filmsequenzen nach dem Vorbild der Erfinder des Kinos der Gebrüder Lumière in Schwarz-Weiß gezeigt.

Am Ende präsentierte die Eloband „reloadet“ bekannte Titel wie „Nothing else matters“ von Metallica und erntete dafür viel Applaus. Zusätzlich gab es neben europäischen Cocktails und französischem Elsässer Flammkuchen im Pausenhof eine große Europaausstellung im Foyer des Schulgebäudes.

Bericht: WZ 2018-06.11

 

2200 Angriffe auf Flüchtlinge

PROTEST Aktion gegen Rassismus macht auf Opfer aufmerksam / Zahlen aus dem vergangenen Jahr alarmieren


Foto: Helferkreis Asyl Worms

WORMS - (red). „Aufstehen gegen Rassismus“: Unter diesem Motto beteiligten sich etwa 30 Aktive vom Helferkreis Asyl, dem Runden Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus der Luthergemeinde, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) mit einer Mahnwache am internationalen Aktionstag „March against racism“. Die Initiatoren nutzten den Winzerbrunnen, um mit Plakaten auf die mehr als 180 Opfer rechtsradikaler Gewalt seit 1990 hinzuweisen.

 

Angelika Wahl vom Helferkreis Asyl erinnerte an die 2200 Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte, die 180 Angriffe auf Flüchtlingshelfer, die 950 Angriffe auf Moscheen und die 1453 antisemtischen Straftaten im Jahr 2017, die das Bundesinnenministerium offiziell bestätigt habe. Reiner Schalk, Sprecher der VVN/BdA, hinterfragte die Programmatik der AfD und begründete, warum diese Partei keine Alternative sei. Sie sei neoliberal und überspiele ihre teilweise reaktionären Ansichten zu Schule, Familie und ihre Forderung nach weiterem Abbau von sozialen Rechten für Arbeitnehmer und Arbeitslosen durch fremdenfeindliche Parolen.

Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus – auch in Worms – schilderte Carlo Riva, Stadtratsmitglied der SPD. Er wies auf das Gerichtsverfahren der Stadt gegen fünf Mitarbeiter des Ordnungsamtes hin, deren rassistische Positionen nicht mit der Tätigkeit im Öffentlichen Dienst vereinbar seien und gegen die Oberbürgermeister Kissel konsequent vorgegangen sei. Carlo Riva begleitete die Mahnwache durch die Verteilung des Flugblatts „Stoppt die AfD“ und durch zahlreiche Gespräche mit Passanten. Katharina Schmitt, Stadtratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, die die Organisation der Mahnwache abgesichert hatte, betonte die Notwendigkeit von parlamentarischen Initiativen gegen Rechts und ermutigte zu weiteren Aktivitäten der Zivilgesellschaft. Syrische Musiker konnten Passanten durch ihre musikalischen Beiträge fesseln und die Anliegen der Mahnwache auf ihre Weise transportieren.

Text-Bericht: Wormser Zeitung 20.03.2018

 

 

 

Koblenz: Tausende vereint gegen Rechtspopulisten

Stand: 21.01.2017 16:16 Uhr

Le Pen, Wilders und Petry - zum ersten Mal sind die europäischen Rechtspopulisten in Koblenz gemeinsam aufgetreten. Etwa 5000 Menschen demonstrierten gegen den Kongress - und damit wesentlich mehr als Kongressteilnehmer vor Ort waren.

Mehrere Tausend Menschen haben in Koblenz gegen den erstarkenden Rechtspopulismus in Europa demonstriert. An dem Protest gegen einen Kongress der europäischen Rechtspopulisten beteiligten sich nach Angaben der Polizei etwa 5000 Menschen. Zu der Kundgebung hatte ein Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Verbänden aufgerufen.

Aufruf zu Widerspruch gegen rechte Thesen

Demonstranten vergleichen die Rechtspopulisten von heute mit den Faschisten der Vergangenheit.

"Es ist eine Demonstration für die Freiheit, für den Zusammenhalt in unserem Land, für Weltoffenheit, für Toleranz", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Demonstration. Sie rief die Menschen zu Widerspruch gegen rechte Thesen auf: "Es ist Zeit, dass keiner mehr zuhause bleibt." Die Menschen sollten aufstehen für ein freiheitliches und friedfertiges Europa und widersprechen, wenn an Stammtischen oder anderen Orten rechtspopulistisch argumentiert werde.

DGB-Landeschef Dietmar Muscheid erklärte mit Blick auf den Kongress: "Ihr seid mit Eurer Ideologie hier nicht willkommen!" Bei der Kundgebung wollten auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sowie die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter sprechen. SPD-Chef Sigmar Gabriel kam ebenfalls zur Kundgebung: Dabei wurde er von mehreren linksgerichteten Demonstranten bedrängt, die sich ihm in den Weg stellen wollten. Polizisten seien dazwischen gegangen, sagte ein Polizeisprecher.

Le Pen, Wilders und Petry auf einer Bühne

Bei dem Kongress der EU-Fraktion "Europa der Nationen und Freiheit" (ENF) waren 1000 Teilnehmer erwartet worden. Nach Angaben der ARD-Korrespondentin Xenia Böttcher kamen allerdings weniger Menschen in die Rhein-Mosel-Halle. Zum ersten Mal treten AfD-Chefin Frauke Petry und die französische Präsidentschaftskandiatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, gemeinsam auf. Zu Beginn des Jahres, in dem nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und den Niederlanden gewählt wird, proben sie den Schulterschluss.
Als erste Rednerin kritisierte Le Pen sogleich die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundesregierung. "Diese Einwanderungspolitik ist eine Katastrophe." Bundeskanzlerin Angela Merkel habe gegen den Willen der Deutschen Hunderttausende Flüchtlinge ins Land gelassen, sagte die Vorsitzende der rechtsextremen Partei. Im vergangenen Jahr habe die angelsächsische Welt mit dem Brexit und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten begonnen, für ihre Freiheit zu kämpfen, sagte Le Pen. 2017 würden die Nationen Kontinentaleuropas folgen.

Wilders macht Werbung für Petry

Auch der niederländische Rechtspopulist Geerd Wilders sprach auf der Koblenzer Veranstaltung davon, dass in Europa die "Zeit des Wechsels" gekommen sei. "Die Geschichte ruft uns alle auf, Europa zu retten", sagte Wilders. "Wir werden unsere Länder zurückerobern." 2017 werde "das Jahr des Volkes" sein. "Wir werden uns befreien."

Er forderte seine europäischen Mitstreiter auf, Strategien gegen eine "Massenimmigration" nach Europa zu entwickeln. Die aktuellen Regierungen und Politiker "befördern unsere Islamisierung", sagte der Chef der Partei für Freiheit (PVV). In der Folge hätten Frauen "Angst, ihr blondes Haar zu zeigen". Mit dem Slogan "Europa braucht Frauke statt Angela" machte Wilders Werbung für AfD-Chefin Petry und löste vor allem bei den AfD-Teilnehmern des Kongresses Begeisterungsstürme aus.

Petry fordert "geistig-moralische Wende"

Petry selbst warf in ihrer Rede der Bundesregierung und den EU-Behörden vor, die Bürger einer "Gehirnwäsche" zu unterziehen. Auch durch diese Art der Manipulation seien die Freiheit des Individuums und die kulturellen Errungenschaften der europäischen Staaten bedroht. "Die heutige Gehirnwäsche - Nudging - ist viel smarter als die einstige sozialistische Propaganda", fügte die ehemalige DDR-Bürgerin Petry hinzu. Sie forderte eine "geistig-moralische Wende".

Einschränkung der Berichterstattung

Frei berichten können davon nicht alle Medien: Im Vorfeld hatte der ENF-Abgeordnete und Mitveranstalter der Konferenz, Marcus Pretzell (AfD), mehreren Medien die Akkreditierung verweigert. Ausgeschlossen wurden alle öffentlich-rechtlichen Sender, das "Handelsblatt" sowie zwei einzelne Redakteure von "Spiegel" und "Frankfurter Allgemeiner Zeitung". Dies hatte zu Kritik nicht nur der Medien, sondern auch innerhalb der AfD geführt.

https://www.tagesschau.de/inland/rechtspopulisten-105.html

 

 

 


Foto: fotoagenten/christine dirigo

Nachrichten Worms 01.05.2016

Worms:
Schüler demonstrieren in der Innenstadt gegen Rassismus

Von David Zerfass

WORMS - „Nazis essen heimlich Döner“, „Worms ist bunt, nicht braun“, „Rassismus ist keine Meinung, Rassismus ist ein Verbrechen“. Schildern mit diesen Schriftzügen blickten Lukas Böhm während seiner ersten Kundgebung auf der Demonstration gegen Rassismus vor dem Hauptbahnhof entgegen.

Er bezog eine ganz klare Stellung: „Rassismus ist keine Alternative für Deutschland“. Die Anspielung auf die AfD, die Alternative für Deutschland, die sich aktuell in der gesamten Bundesrepublik im Aufschwung befindet, ist kein Zufall. Er kritisierte deren Flüchtlingspolitik und betitelte einige Forderungen aus dem Parteiprogramm als menschenverachtend. „Wir erlangen massiv kulturellen Reichtum durch die Integration der Geflüchteten. Wir sind ein vergleichsweise reiches Land, warum sollen wir ärmeren Menschen nichts von unserem Reichtum abgeben?“, fragte er die rund 90 Demonstrierenden.

Auf dem anschließenden Rundweg durch die Wormser Innenstadt entlang der Siegfriedstraße auf die Römerstraße, über den Römischen Kaiser durch die KW wieder an den Bahnhof, schrieb er in regelmäßigen Abständen mit Kreide Botschaften auf die Straße: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, „Refugees welcome“, „Keine Waffen für Syrien“. Die Demonstrierenden folgten ihm unter lauten Pfiffen und Ausrufen wie „Nationalismus raus aus den Köpfen“ oder „Ob Pegida oder AfD, stoppt den Rechtsruck in der BRD“. Während des Marsches schlossen sich vereinzelt weitere Passanten dem Zug an.

„Nicht nur Nazis demonstrieren"

Am Römischen Kaiser machte Anna Mielke vom Helfer- und Unterstützerkreis noch einmal klar, dass auch Deutschland durch diverse Waffenexporte eine Mitschuld am Syrienkrieg trage. Sie nennt vereinzelt Schicksale geflüchteter Menschen, aus Eritrea habe sie jemanden kennengelernt, der „nicht in Eritrea für einen der blutigsten Diktatoren kämpfen wollte“. Daher floh er durch die Wüste und über das Mittelmeer. Auch die Gewerkschaften beteiligten sich maßgeblich. Verdi-Gewerkschaftssekretär Wolfgang Mayer nahm an der Demonstration teil und Florian Elz vom Deutschen Gewerkschaftsbund vollzog auf dem Obermarkt eine weitere Kundgebung. Er ist der Ansicht, dass die AfD nur durch die Verunsicherung der Arbeitnehmer und durch verbreitete Ängste vor einem sozialen Abstieg einen so hohen Zuspruch erhält. „Soziale Gerechtigkeit und AfD sind ein absoluter Widerspruch.“

Lukas Böhm ist Vorstandsmitglied der Stadtschülervertretung, Schulsprecher des Eleonoren-Gymnasiums und besucht die 12. Klasse. Er wählte bewusst den ersten Mai als Veranstaltungstag. „Gerade weil am ersten Mai oft demonstriert wird und auch oft Naziaufmärsche stattfinden. Wir wollen zeigen, dass nicht nur Nazis demonstrieren sondern dass auch die andere Seite laut wird.“ Gemeinsam mit Ibo Handjiev, Martin Neumüller und Björn Thon rief er die Demonstration ins Leben. Auch als Reaktion auf den Aufmarsch des „III. Weges“, aber in erster Linie um ein Zeichen zu setzen. Dieses Zeichen war eindeutig, zog Aufmerksamkeit auf sich und ist Teil einer Bewegung, die es verdient, höheren Anklang zu finden.

Bericht: Wormser Zeitung 02.05.16

 

 

...praktische Solidarität:

Freundschaften sind entstanden

Im Offsteiner Café „Treff der Kulturen“ kommen Einheimische und Flüchtlinge zum Spielen, Backen und Erzählen zusammen. Im Bild zu sehen ist die ehrenamtliche Helferin Rita Fuhrmann (rechts).
Foto: photoagenten/Andreas Stumpf

Von Ulrike Schäfer

IG ASYL Ehrenamtliche Helfer kümmern sich in Offstein um Integration der Flüchtlinge / Café als Treffpunkt

OFFSTEIN - Annette Hölter und Rita Fuhrmann wohnen schon seit 16 Jahren Haus an Haus, Garten an Garten. Mehr als einen Gruß hatten sie nicht gewechselt, bis sie sich bei einer Infoveranstaltung der VG Monsheim über die Zuteilung von Flüchtlingen näher kennenlernten. Seither engagieren sie sich mit rund 15 weiteren Offsteinern in der IG Asyl. „Es sind tiefe Freundschaften entstanden“, erzählt Andrea Rößler, die ebenfalls zu den Gründerinnen der IG Asyl zählt. Von der Flüchtlingsarbeit habe man auch selbst profitiert.

Zu 99 Prozent Kontakt

Flüchtlinge leben in Offstein schon seit August vergangenen Jahres. Sie waren und sind in Wohnungen untergebracht, sodass man sie früher kaum wahrgenommen habe, berichten die drei Frauen. „Derzeit sind es ungefähr 45 Menschen“, sagt Annette Hölter. „Zu 99 Prozent von ihnen dürften wir Kontakt haben.“ Zentraler Ort der Begegnung ist das Café „Treff der Kulturen“, das vierzehntägig von 17 bis 19 Uhr geöffnet hat. Die evangelische Kirchengemeinde hat der IG das Gemeindehaus kostenlos für diese Zwecke zur Verfügung gestellt. Dort treffen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, die Sprachen sprechen, die man hierzulande noch nie gehört hat, zum Beispiel Tigrinya, die Sprache der Eritreer.

Wie funktioniert die Verständigung? Andrea Rößler lacht: „Mit Händen und Füßen. Ich bin schon richtig gut geworden in non-verbaler Verständigung.“ Oder man hilft sich anders. Annette Hölter erzählt, dass ein Afghane bei den Gesprächen immer sein Handy einschaltet, damit seine Schwester, die an der Weinstraße lebt und gut Deutsch sprechen kann, im Zweifelsfall hilft. Manchmal müsse man aber auch auf Dolmetscher zurückgreifen. Glücklicherweise verfüge man mittlerweile über ein gut funktionierendes Netzwerk.

Die IG Asyl versucht, die Arbeit so zu organisieren, dass sich möglichst eine oder zwei Ehrenamtliche um eine Familie kümmern. Was sie über die geltenden Bestimmungen und notwendigen Maßnahmen wissen müssen, haben sich die Ehrenamtlichen selbst beigebracht. Einige Flüchtlinge seien sehr krank, fährt Andrea Rößler fort, kein Wunder, nach allem, was sie durchgemacht hätten. Weil die Asylsuchenden noch kein Deutsch können, machen die Helfer Arzttermine aus, beschaffen die Krankenscheine, begleiten Menschen zu den Terminen. „Wir hatten auch schon drei Geburten“, erzählt Annette Hölter. „Das heißt, wir mussten die Babys anmelden, uns um die Nachsorge kümmern und vieles mehr.“ Wenn die Leute ihre Aufenthaltserlaubnis haben, unterstützt die IG Asyl sie bei ihrem Gang zum Jobcenter, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen und Stellen und auch bei der Suche nach Wohnungen. „Es gibt weder in Offstein noch in der Umgebung bezahlbare Mietwohnungen“, meint Hölter seufzend.

Wichtig war es der IG Asyl, Sprachunterricht in Offstein zu organisieren. Schon seit einiger Zeit bietet Eberhard Papsch aus Hohen-Sülzen montags Deutsch für Ausländer an, es gibt Online-Sprachkurse, die in der Grundschule abgehalten werden können und seit Kurzem auch viermal wöchentlich Einstiegkurse der VHS Worms. Dafür hat die katholische Kirche kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. „Alle sind sehr kooperativ“, lobt Hölter dankbar. Das treffe auch für die Sportvereine zu, die die Neuankömmlinge freundlich aufnähmen. Man arbeitet eng mit dem Kindergarten zusammen und freut sich, dass kürzlich das erste afghanische Mädchen mit gut gefülltem Ranzen in der Grundschule aufgenommen wurde.

„Niemand von uns hat sich vorgestellt, wie viel Aufwand, wie viel Kraft für diese Arbeit erforderlich ist“, sagt Rita Fuhrmann, die eine gebürtige Französin ist. „Einige von uns sind täglich mehrere Stunden damit beschäftigt, sich zu kümmern. Wir brauchen noch dringend Unterstützung.“ Wobei es immer auch eine nicht ganz einfache Aufgabe ist, Freiwillige zu integrieren, ihnen zu erklären, worum es geht, sich zu überlegen, wo sie einsteigen können.

Gerne hätte die IG noch mehr Unterstützung seitens der Gemeinde und der VG. Eine Spende hat die IG bisher von der Südzucker bekommen und einen großzügigen Betrag vom Basarteam des Offsteiner Kindergartens für die Kinder der Asylbewerber, aber sie wäre für weitere finanzielle Hilfen dankbar. „Wir bezahlen alles aus eigener Tasche“, sagt Andrea Rößler. „Es wäre schön, wenn wir beispielsweise mal eine Fahrt mit den Flüchtlingen machen könnten.“

Verständnis ist vorhanden

Wie nimmt die Familie die Mehrarbeit der Mütter auf? Dass die Garage voll mit gespendeten Kleidern war, hat ein Ehemann irgendwann nicht mehr so toll gefunden, da musste eine andere Lösung gefunden werden, und Annette Hölters drei Kinder im Alter von zwölf, 16 und 18 Jahren waren anfangs nicht gerade entzückt, weil die Mutter plötzlich dauernd unterwegs war und nicht einmal sagen konnte, wann sie wieder kommen würde. Und erst die vielen Telefonate! Mittlerweile haben sie viel Verständnis und gelegentlich packen sie auch schon mal ganz selbstverständlich zu.

  • SPENDENKONTO UND ÖFFNUNGSZEITEN

Spenden auf das Konto der IG Asyl Offstein IBAN DE08 5535 0010 0400 48. Spendenquittungen können ausgestellt werden.

Gesucht werden engagierte Menschen, die sich um eine somalische und eine afghanische Familie kümmern, außerdem für die Betreuung von Babys.

Das Café der Kulturen in der Kindergartenstraße ist donnerstags vierzehntägig von 17 bis 19 Uhr geöffnet, jetzt wieder am Donnerstag, 10. Dezember.

Bericht: Wormser Zeitung, 04.12.15

 


Die wichtigsten Fakten zur Flüchtlingskrise

Beim Thema Flüchtlingskrise gibt es viele Missverständnisse und Vorurteile. Beispielsweise stimmt es nicht, dass Deutschland die meisten Flüchtlinge aufnimmt oder dass Balkanflüchtlinge nur abkassieren. tagesschau.de mit den Fakten auf einen Blick.

zu finden unter:
http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-faq-101.html

Private Initiativen helfen Flüchtlingen
Weil es bei der Unterbringung von Flüchtlingen vielerorts am Nötigsten mangelt, bilden sich bundesweit immer mehr private Hilfsgruppen. Meist organisiert über das Internet. Ihr Vorteil: Sie helfen schnell und unbürokratisch.

zu finden unter
http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-karoviertel-101.html

Integration von Flüchtlingen
- Gute Ideen Bundesweit


zu finden auf
tagesschau.de

Es gibt viele Wege, Flüchtlingen zu helfen, sich in Deutschland einzuleben. Auf einer Karte stellt tagesschau.de Projekte vor. Die Auswahl wird nach und nach ergänzt.

 

Weltspiegel-Reportage aus Frankreich

Madame Lips - die Heldin von Calais

Stand: 18.01.2015 05:01 Uhr

In einem Waldstück im französischen Calais gibt es ein großes, illegales Flüchtlingscamp.
Die Menschen dort leben in Zelten, ohne fließendes Wasser und ohne Strom.
Madame Lips lindert mit einem unkonventionellen Angebot ihre Not
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http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlinge-calais-101.html

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